Tollkühne Männer…

VON O. WEIL

Bereits seit 1998 gibt es in Deutschland diese äußerst spannende und interessante Wettbewerbsklasse, die ihren Ursprung in Skandinavien hat und mittlerweile europaweit nach einem einheitlichen Reglement durchgeführt wird.


Ziel des Wettkampfes ist die Jagd auf 12m lange Papierbänder „Streamer“, die an jedem der bis zu sieben gleichzeitig fliegenden Modellen befestigt sind.
Der Aircombat Pilot muss also sein eigenes Band beschützen, gleichzeitig versuchen, ein anderes Band zu kürzen bzw. „cutten“ und möglichst die gesamt Flugzeit von 7 Minuten ausnutzen.

Der Start einer Wettkampfrunde erfolgt im Stil eines Le Mans Autorennen. Die Piloten mit ihren Helfern stehen ca. zwölf Meter vor den Modellen, nach dem Startschuss laufen sie unter lauten Anfeuerungsrufen des Publikums zu ihren Modellen starten diese.

Geflogen werden die Modelle meistens in Vollgaseinstellung. Je nach Mut und Können des Piloten finden Verfolgungsjagden mit engen Wenden und Rollen in Höhen von fünf bis zehn Metern statt! In den letzten Jahren hat der Aircombat Wettbewerb in Deutschland immer mehr Freunde gefunden, so dass in der Jahreswertung 2011 über 100 Piloten deutschlandweit teilgenommen haben!

Die Modelle in der Klasse „WW2“ sind Flugzeugen aus den Jahren 1935-45 im Maßstab 1:12 nachempfunden und können wahlweise elektrisch oder mit einem Verbrenner-Motor angetrieben werden. Das Reglement ist an dieser Stelle so ausgelegt, dass keine Antriebsform zu einseitigen Vorteilen führt, so dass alle Piloten in einer Wettkampfklasse fliegen können. Zum Einsatz kommen mitunter ARF-Modelle (Almost Ready to Fly) die in das Reglement passen, spezielle Aircombat-Baukästen und auch sehr häufig Eigenkonstruktionen, die in den heimischen Bastelkellern entstehen.

Je nach Erfahrung mit den verschiedenen Baumaterialien kann so ein Aircombat Modell schon ab ca. 45€ (ohne Motor und Elektronik) entstehen. Sollte es in der Luft zu Berührungen oder sogar einem Crash von zwei Flugzeugen kommen, so hält sich der finanzielle Schaden in Grenzen. Meistens sind die Modelle nach ein wenig Arbeitsaufwand wieder instand gesetzt und fertig für den nächsten Wettkampf. Aircombat-Modelle müssen auch nicht schön wie Scale-Modelle aussehen, sondern „nur“ funktionieren! Deutschlandweit werden Wettbewerbe ausgetragen die ihren jährlichen Höhepunkt auf einer Deutschen Meisterschaft finden. Um daran teilzunehmen werden mitunter Anreisen von 500km unternommen.

Auch wenn in der Luft hart gekämpft wird, so sehen sich alle Teilnehmer als große Familie mit einer Hilfsbereitschaft und Kameradschaft, die man bei anderen Wettbewerben vergeblich sucht! Tipps und Tricks werden von den erfahrenen Piloten gerne vermittelt, Pläne von Eigenkonstruktionen werden weitergegeben oder zusammen verbessert. Bereitwillig werden Motoreinstellungen und Setups diskutiert bis dahingehend, dass sich Piloten untereinander schon mal ein Modell ausleihen,
um im hart umkämpften Finale antreten zu können!

Der Aircombat Wettbewerb ist aber nicht nur ein Einzelwettkampf sondern wird durch die Aufteilung der Piloten in verschiedenen Aircombat Staffeln zu einem spannenden Mannschaftswettkampf! Mindestens drei Piloten schließen sich zu Staffeln, sog. „Squadrons“ zusammen, trainieren und bauen gemeinsam. Sie organisieren ihre Anfahrten zu den Wettkämpfen und fliegen letztendlich für die gemeinsamen Staffel Punkte. Diese Aircombat Staffeln tragen so klangvolle Namen wie „Blitzstaffel“, „Buschfräsen“, „Grau Helme“ oder „Crazy7“.

In den letzten Jahren wurde noch eine weitere Klasse im Aircombat ins Leben gerufen – „WW1“. Hier werden Modelle aus den Jahren 1914-1918 im Maßstab 1:8 nachgebaut und neben dem Luftkampf, der mit etwas längeren Papierbändern erfolgt, werden auch Punkte für das Bekämpfen von Bodenzielen vergeben. Diese Bodenziele bestehen aus einfachen Styroporstangen, die in den Boden gesteckt und dann mit dem Modell abgeflogen werden. Da die WW1 Modelle erheblich langsamer als die Klasse WW2 fliegen und die Bekämpfung der Bodenziele nicht nur Geschicklichkeit vom Piloten verlangt, sondern auch für die Zuschauer spektakulär aussieht, steigt auch hier die Teilnehmerzahl kontinuierlich.

Am Ende eines Wettkamptages gibt es in den Klassen WW1 und WW2 immer einen Sieger nach Punkten, aber alle Teilnehmer sehen sich als Gewinner bei einem erlebnisreichen Tag, bei dem man viele alte und neue Freunde trifft!

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