Fluglehrer – Wissen und Begeisterung vermitteln

Von Jochen König, Ausbildungsleiter LSG Erbslöh

In der Luftsportgruppe Erbslöh werden derzeit 40 Flugschüler zum Segelflugpiloten ausgebildet. Das 14-köpfige Fluglehrerteam erfuhr mit den beiden Jungfluglehrern Anne Krey und Joël Wagner eine deutliche Verjüngung und Auffrischung. Hier berichten wir über die Ausbildung und die Aufgaben der Segelfluglehrer in unserer Luftsportgruppe.

Unterstützung für das Team: Die beiden Jungfluglehrer Anne und Joël.

Die Fluglehrerversammlung und letztendlich der Vereinsvorstand hatten die beiden Kandidaten vor etwa vier Jahren ausgewählt. Beide Anwärter bringen die fachliche und pädagogische Voraussetzung mit, die Kenntnisse und Fertigkeiten zur Steuerung und Beherrschung des Flugzeugs zu vermitteln, und beide sind auch in der Lage, die Flugschüler und Vereinsmitglieder zum richtigen, umsichtigen, sicherheits- und verantwortungsbewussten Verhalten im Flugbetrieb anzuhalten.

„Ein Segelflieger beschäftigt sich mit Wetter, Technik, Landschaften und lernt lebenslang. Er betreibt eine einzigartige Kombination von Einzel- und Mannschaftssport: Im Flug ist er, manchmal über viele Stunden, auf sich allein gestellt; am Boden ist er Teil eines Teams, in dem sich alle aufeinander verlassen müssen und in dem allein keiner in die Luft kommt.“
Anne Krey

Dem eigentlichen Fluglehrerlehrgang ging eine etwa einjährige „Fluglehrervorausbildung“ im Verein voraus, um in Begleitung erfahrener Fluglehrer die Sicherheit auf dem hinteren Sitz, also auf dem Fluglehrer-Sitz, zu gewinnen. Bereits während dieser Zeit wurden sie mit verschiedenen Fluglehreraufgaben betraut wie der Vorbereitung des morgendlichen Briefings, der Übernahme von Übungseinheiten im Theorieunterricht und der Organisation des Flugbetriebs.

Der Fluglehrerlehrgang an der Segelflugschule in Oerlinghausen bestand aus einem Theorieteil, der an mehreren Wochenenden stattfand, und einem zweiwöchigen Praxislehrgang. Der Lehrgang wurde mit der theoretischen und praktischen Fluglehrerprüfung abgeschlossen.
Danach schloss sich eine mehr als einjährige „Ausbildungstätigkeit unter Aufsicht“ an, in der die Anwärter mehrere Flugschüler in verschiedenen Ausbildungsabschnitten unter Aufsicht dafür benannter Fluglehrer praktisch unterrichteten.
Erst dann konnte die Lehrberechtigung, also die Lizenz zur Fluglehrertätigkeit, ausgestellt werden. Die Lizenz kann bei ausreichender praktischer Ausbildungstätigkeit und einer anerkannten Fluglehrerfortbildung alle drei Jahre verlängert werden.

„Grundsätzlich kann jeder Segelfliegen lernen – wenn er sich dafür entsprechend einsetzt. Wir unterrichten in der LSG 14-jährige ebenso wie Menschen mittleren Alters und aus allen Berufen: Schüler, Ingenieure und Handwerker“
Joël Wagner

Die Einteilung der Fluglehrer für den praktischen Flugunterricht erfolgt nach einem Plan, der sicherstellt, dass an jedem Wochenendtag während der Flugsaison zwischen März und Oktober ein oder zwei Fluglehrer für den kontinuierlichen Flug- und Ausbildungsbetrieb hauptverantwortlich zuständig sind. Zusätzlich werden vereinsinterne Ferienlehrgänge zu Ostern oder im Sommer organisiert, zu deren Betreuung sich jeweils mehrere Fluglehrer finden und frei nehmen müssen. Alle Fluglehrer arbeiten ehrenamtlich.

Neben der Durchführung von praktischem Flugunterricht gibt es weitere verantwortungsvolle Fluglehreraufgaben, die für einen sicheren Flugbetrieb wichtig sind und der fliegerischen Aus- und Weiterbildung der Vereinsmitglieder dienen.
Bereits am Vorabend des Flugtags informiert sich der eingeteilte Fluglehrer über das Wetter, den technischen Zustand der Ausbildungsflugzeuge und den Übungsstand der Flugschüler. Zum morgendlichen Briefing werden – abhängig vom Wetter, der Flugzeugauslastung und dem Ausbildungsstand der Flugschüler – erste Entscheidungen zur Flugzeugverteilung, zur Einteilung der Flugschüler und zum Übungsprogramm getroffen. Die Fluglehrer achten darauf, dass die Flugzeuge zu Beginn und Ende des Flugbetriebs ordnungsgemäß ein- und ausgeräumt werden, sind verantwortlich für die einwandfreie Vorflugkontrolle der Ausbildungsflugzeuge, organisieren den Startaufbau und sorgen mit für einen zügigen und sicheren Flug- und Ausbildungsbetrieb.

Sie beaufsichtigen vom Boden aus im Funkkontakt alleinfliegende Flugschüler, weisen die fortgeschrittenen Flugschüler und Lizenzpiloten in die Bedienung und den Umgang neuer Flugzeugmuster ein und kümmern sich nebenbei um die Ausbildung von Windenfahrern.
Abends dokumentieren sie dann den Ausbildungsfortschritt jedes Flugschülers zum Nachweis des aktuellen Ausbildungsstands und zur Information des Fluglehrerteams, damit jeder Fluglehrer an den nächsten Tagen die Übungen übernehmen und nahtlos fortsetzen kann.

„Segelfliegen gehört zu den anspruchsvollsten Sportarten überhaupt – und belohnt mit Eindrücken, die ein Pilot sein Leben lang nicht mehr vergisst. Diese Begeisterung zu vermitteln, ist meine Motivation.“
Joël Wagner

Segelfliegen ist Mannschafts- und Individualsport zugleich. Am Boden ist das Team gefragt, in der Luft ist der Pilot auf sich allein gestellt.

Neben den praktischen Tätigkeiten fallen für die Fluglehrer sowohl während der Flugsaison als auch in den Wintermonaten neben der üblichen Vereinsarbeit viele organisatorische und administrative Aufgaben an.

Die Fluglehrer sind mit zuständig für die Organisation und Durchführung von Informationsveranstaltungen und Schnupperaktionen im Rahmen der Mitgliederwerbung und Nachwuchssuche und entscheiden mit über die Aufnahme neuer Mitglieder. Sie teilen sich den Theorieunterricht, kümmern sich um die theoretische Weiterbildung der fortgeschrittenen Flugschüler und jungen Lizenzpiloten, richten vereinsinterne Flugsicherheitsseminare aus und tauschen sich auf regelmäßig stattfindenden Fluglehrersitzungen und den obligatorischen Fluglehrerfortbildungen aus.

Ein Segelflugverein ist ein großes Team, in dem unterschiedlichste Funktionen gebraucht werden und alle Kenntnisse und Fertigkeiten nützlich sind – vom gesamten Spektrum handwerklicher Arbeit bis zur immer aufwändigeren Verwaltung. Ein wichtiges Element dabei sind auch die Fluglehrer. Da sie für die Flugschüler und auch alle anderen Vereinsmitglieder immer ansprechbar sind, fällt ihnen auch in besonderem die Rolle zu, zwischen den Mitgliedern zu vermitteln und die Vereinsgemeinschaft zusammenzuhalten.

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