WM Segelkunstflug – Meine erste Teilnahme

Am 1. August war es für mich, meinen Vater und meinen Paten Reinhold Ening soweit. Es ging auf den 12 Stunden Ritt in Richtung Südosten nach Zbraslavice (80 Kilometer südöstlich von Prag). Auf den Tag genau zwei Jahre zuvor fuhr ich ebenfalls auf einen Wettbewerb, dabei handelte es sich bloß um die Landesmeisterschaft auf dem Hornberg und außerdem um meinen ersten Wettbewerb überhaupt. Daher waren für diesen Wettbewerb folgende Ziele gesetzt: Nicht Letzter werden. Spaß haben. Von den Großen lernen!

Als wir gegen Abend am Austragungsort ankamen war der erste Teil der deutschen Wagenburg schon aufgebaut und mir wurde erstmals klar, dass das, was ich mir vor zwei Jahren noch nicht so ganz vorstellen konnte in Erfüllung gegangen war. Als Nachrücker für das Team Germany stand ich nun mit den Leuten auf einem Campingplatz, deren Flüge und Erzählungen mich als Flugschüler auf den Kunstflug-Geschmack gebracht hatten. Namen wir Eugen Schaal oder Markus Feyerabend und viele andere waren für mich in der Kategorie „Legende“ abgespeichert und jetzt saßen wir zusammen in der Abendsonne und erholten uns von der Fahrt.

Am ersten Trainingstag kam ich, mit drei Trainingstarts, voll auf meine Kosten. Die Schlepps waren zwar leider nicht wie angekündigt mit den Turbo-Cmelaks.Die normalen Cmelaks plus zwei Zlin 226 und einer Maule mit 260 PS funktionierten aber prima und so war man nach 10-12 Minuten Schlepp fast immer auf Ausgangshöhe.
Nach den ersten Starts war das größte Problem für den Wettbewerb eigentlich auch schon ausgemacht: Die Box. Ich musste zum ersten Mal mit Linienrichtern fliegen und daher war das Positioning am Anfang umso wichtiger! Nach zwei weiteren Tagen im Training fühlte ich mich am Platz wirklich wohl und konnte mich trotz sehr eintöniger Landschaft gut zurechtfinden!Unknown-3

So kam es, dass der erste Wettbewerbsstart wesentlich entspannter ablief, als ich zunächst angenommen hatte. Ich war konzentriert aber ruhig. Mir war klar, dass der erste Start viel über den weiteren Verlauf aussagen kann, es jedoch nicht muss. Dennoch, der Start sollte meine Visitenkarte werden und, um aus dem sehr eng beieinander liegenden Feld herauszustechen, mussten jetzt 100% abgeliefert werden. Da der erste Start die bekannte Pflicht ist, war eigentlich klar, dass dieses Programm von jedem bis zum Erbrechen trainiert worden ist. Der erste WM-Start wird immer etwas Besonderes bleiben. Vielleicht vergleichbar mit dem ersten Alleinflug. Alles ist irgendwie anders und erscheint überwältigend.

Bei den Bewertungen viel direkt auf, dass zum einen die Bewertungen wesentlich strenger sind (ein Gesamtergebnis von 67-69% ist wirklich grundsolide) und zum anderen die meisten Judges aus dem Motorkunstflug kommen und daher einen härteren Flugstil höher benoten. Da ein Swift oder ein Fox bei harten Radien einfach besser aussieht, als eine SZD-59, bei der die Flächen doch noch etwas mehr Biegung aufzeigen, machte die Sache nicht leichter. Umso überraschter war ich, dass ich lange Zeit auf dem dritten Platz lag und, nachdem alle Ergebnisse gültig waren, auf dem Sechsten Platz in der Bekannten Pflicht lag. Aber wie gesagt: Der erste Flug kann eine Visitenkarte sein, hat aber für den Gesamtverlauf nichts zu sagen.

Dagegen war der zweite Flug schon etwas wichtiger, denn er gab die meisten Punkte. Die Kür war aber ebenfalls von allen Teilnehmern seit Jahren trainiert und daher musste auch dort etwas Besonderes abgeliefert werden, damit man vorne mitspielen kann. Bei mir reichte dort ein 72% Ergebnis mit 26 Penalties für Box out gerade für Platz 18 von 47. Ich war damit noch immer zufrieden. Nach der Kür kam jedoch mein psychischer Tiefpunkt für diese WM. Als wir die SZD abrüsten wollten, fiel Reinhold bei dem obligatorischen Blick auf das Querkraftgestänge im Rumpf ein kleiner Riss auf. Es ließ sich schließlich nicht abstreiten, dass die D-9959 gegroundet war. Diese Risse im Gestänge sind bereits an vielen SZD-59 aufgetreten und entstehen durch die Dauerbelastungen im langjährigen Kunstflug. Die Durchführung der vorgeschriebenen Kontrollen vor und nach dem Start haben sich bei uns also schließlich als rettend erwiesen!

In Momenten zeigt sich die Kunstflugszene als eine große Familie! Schweizer und Österreicher boten mir sofort an auf ihren Flugzeugen zu fliegen.
Schließlich durfte ich dann auf die SZD-59 des Kunstflugfördervereins Baden-Württemberg wechseln, die Wolfgang Kasper in der Unlimited flog und mir wurde zusätzlich noch ein Trainingsstart mit abgesprochenen Figuren gewährt. Es lief also alles mehr oder weniger glatt und ich durfte weiter fliegen. Man merkt übrigens Unterschiede zwischen zwei baugleichen Fliegern. Trotzdem, die Stunden waren für mich wirklich stressig und ich bin Eugen extrem dankbar, dass er mich da an die Hand genommen hat und mit mir die Offiziellen abgeklappert hat!

Es ging für uns in der Advanced also weiter mit den Unbekannten. Die erste Unbekannte erwies schwierig, weil die Figuren sehr leicht waren, aber unharmonisch aneinandergereiht wurden. Es gab für den Piloten kaum Möglichkeiten irgendwie hervorzustechen. Ergebnis: Platz 25. Die Free Unknown, bei der das Team ein eigenes Programm aus vorgegebenen Figuren zusammenstellen durfte, gefiel mir dagegen schon besser! Robin Kemter machte einen nahezu perfekten Programmvorschlag!
Die Figuren waren anspruchsvoll und durch die vielen Richtungswechsel in den Senkrechten abwärts, gab es genug Möglichkeiten falsch abzubiegen.
Ich hatte Lust auf das Programm und Spaß beim Fliegen! Und geklappt hat es auch noch gut. Jedoch kassierte ich wegen etwas saufen in der Box und weil ich ziemlich viel „hab stehen lassen“ in den Abwärtsphasen ein „Low“-Penalty und damit 70 Strafpunkte. Das warf mich auf Platz 17 in der Tageswertung zurück.

Nach einem Tag, an dem nur die Unlimited geflogen wurde, sollte die Advanced abends mit dem Durchgang für die Unknown Zwei beginnen. Das Wetter sah zwar nicht gut aus, aber der Contest Direktor sagte, es wird geflogen. Ich saß schon im Flieger und ging das Programm durch, als ich Robin Kemter im Funkkontakt mit dem Chief Judge Philippe Kücheler hörte: “Start number six, return to the airfield immediately. LAND LAND LAND“. Der Tag war gecancelt und meine Konzentrationsphase umsonst. Am nächsten Morgen ging es weiter. Obwohl ich von meinem Flug nicht viel hielt, versicherten mir alle, dass er bis jetzt mein bester gewesen sein sollte. So war es dann auch (Platz 2 in der Tageswertung)und ich kletterte in der Gesamtwertung auf Platz 6. Schon am Abend wurde bekannt gegeben, dass aufgrund des Teilnehmer-Rekords von 79 Piloten nicht mehr als fünf Durchgänge pro Klasse möglich sein werden. Die beiden Tage danach kämpften die Unlimiteds um den Titel. So war meine meine erste Weltmeisterschaft.

Folgendes möchte ich zusammenfassend sagen: Egal, bei welchen Platz für mich, es waren zwei eindrucksvolle Wochen, die ich mit diesem großartigen Team verbringen durfte. Eugen Schaal hat eine brillante WM hingelegt und es waren emotionale Momente, als Markus Feyerabend seinen letzten Wettbewerbsflug hinter sich gebracht hatte (Er wechselt zum Motorkunstflug). Ich bin dankbar, dass ich diese WM mit diesem Team erleben durfte und egal, wie zukünftige WMs werden, auf die ich möglicherweise noch fahren werde, so wird mir diese, alleine aufgrund des Teams, in Erinnerung bleiben.

Mavin Woltering

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obere Reihe (Unlimited) v.l.n.r: Eugen Schaal, Gisbert Leimkühler, Tobias Hackel, Wolfgang Kasper, Wolfgang Schieck, Markus Feyerabend // untere Reihe(Advanced) v.l.n.r: Andreas Rodewald, Markus Pönicke, Marvin Woltering, Dennis Konieczny, Dennis Polej, Dirk Maslonka, Robin Kemter

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