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Fallschirmspringen

bietet mehr als wohl jeder andere Sport eine schier unendliche Fülle von Erlebnissen und die Möglichkeit, in neue persönliche Grenzbereiche vorzustoßen. Denn ein wenig Mut und Überwindung gehört schon dazu, in einem kleinen Sportflugzeug zum Himmel aufzusteigen um es dann in luftiger Höhe durch einen Sprung ins „Nichts" zu verlassen. Doch dieser Sprung verwirklicht des Menschen Urtraum: Frei zu sein wie ein Vogel in der Luft.

Der Ausstieg aus dem Flugzeug erfolgt in 4000 Meter Höhe. Nach der Öffnung des Schirms bewegt sich der Springer mit rund 40 km/h Vorwärtsgeschwindigkeit und drei Metern pro Sekunde Sinkgeschwindigkeit der Erde entgegen.

Gesprungen wird heutzutage mit modernen Flächenfallschirmen, deren wie ein Flugzeugflügel gestaltetes Kappenprofil sehr präzise Flugmanöver und punktgenaue Landung erlaubt.

Sportliche Disziplinen

  • Zielspringen
    Das Zielspringen entwickelte sich als eine der ersten Disziplinen im Fallschirmsport. Aufgabe ist, möglichst präzise einen bestimmten Punkt am Boden zu treffen. Gesprungen wird heute auf eine Matte in deren Mitte sich eine ca. 25 cm große Scheibe mit elektronischen Berührungskontakten befindet. Experten treffen aus 1.500 m Höhe genau den 1 cm großen Mittelpunkt dieser Scheibe.
  • Stilspringen / Freestyle
    Beim Stil- oder auch Figurenspringen geht es darum, im freien Fall möglichst genau vorgegebene Figuren auszuführen. Hierzu gehören im Wesentlichen Drehungen um beide Achsen. Das Stilspringen wurde inzwischen durch das weiter gefächerte Freestyle-Springen weitgehend verdrängt.
  • Formationsspringen / Relative Work (RW)
    Ziel des Formationsspringens ist - wie der Name schon sagt - mit anderen Springern Formationen bzw. Figuren zu bilden. Die Springer fallen bei dieser Fallschirmsportart ausschließlich auf dem Bauch. In Wettkämpfen geht es darum, möglichst viele Figuren in einer vorgegeben Zeit (35 sec) zu absolvieren. Standardgrößen für RW-Gruppen sind 4, 8 oder 16 Springer. Es gibt aber auch größere Formationen, bei denen dann aber meist die Einbindung möglichst vieler Springer und nicht mehr das Absolvieren möglichst vieler Figuren im Mittelpunkt steht. Der aktuelle Weltrekord, der am 8. Februar 2006 in Thailand aufgestellt wurde, liegt bei 400 Springern.
  • Freefly
    Freefly galt in den Anfangszeiten als eine eher undisziplinierte Form des Springens, die mehr den sogenannte "Freaks" vorbehalten war. Es hat sich jedoch mittlerweile als eigenständige, ernsthafte Fallschirmsportdisziplin weltweit durchgesetzt. Ähnlich wie beim Relativ-Springen geht es auch bei Freefly darum, mit anderen Springern unterschiedliche Figuren auszuführen. Anders als beim RW beschränken sich die Freeflyer jedoch nicht auf die Bauchlage, sondern nutzen alle 3 Dimensionen. Headdown (also mit dem Kopf nach unten) und Sitfly (im Sitzen fliegen) sind die wesentlichen Basistechniken.
  • Kappenformationen / Canopy Relative Work (CRW)
    Beim CRW wird zwar ebenso wie in die anderen Disziplinen aus 3.000 bis 4.000 Metern Höhe abgesprungen, die Springer öffnen jedoch sofort - ohne längere Freifallzeit - ihre Schirme und bilden am geöffneten Schirm Formationen. Der aktuelle Weltrekord liegt bei 80 Springern, die gemeinsam einen Diamond, eine rautenförmige Formation, am Himmel bildeten.
  • Skysurfing
    Skysurfer springen mit einem an die Füße geschnallten "Surfbrett" ab. Das Brett ist in Größe und Form einem großen Skateboard ähnlich. Einer der maßgeblichen Entwickler dieser Disziplin war der französische Extremspringer Patrick de Gayardon (1960-1998).
  • Swooping
    Swooping oder auch Canopy Piloting hat in den letzten zwei Jahren zunehmend Anhänger unter den Fallschirmspringern gefunden. Der Springer versucht durch sehr hohe Geschwindigkeiten im Landeanflug eine möglichst lange waagerechte Gleitstrecke knapp über dem Boden zu erreichen. Bei Wettbewerben werden in unterschiedliche Teildisziplinen die Geschwindigkeit, die Länge der waagerechten Schirmfahrt und die treffgenauigkeit der Landung bewertet. Um bei den erreichten hohen Geschwindigkeiten Unfälle zu verhüten, werden Swoop-Wettbewerbe häufig über Wasser (z.B. Seen) ausgetragen. Diese wohl spektakulärste Fallschirmsportdisziplin bietet als einzige neben dem Zielspringen auch Zuschauern am Boden Gelegenheit, einen Wettbewerb zu verfolgen.

  • Die Ausbildung
    Der Fallschirm ist nach dem Gesetz ein Luftfahrzeug und unterliegt aerodynamischen Gesetzen. Umfangreiche Kenntnisse darüber sind notwendig. Für die eigentliche Sprungausbildung werden zwei Ausbildungsarten angeboten, und zwar die konventionelle Methode und die AFF-Ausbildung oder "beschleunigte Freifallausbildung".

    Bei der konventionellen Methode wird zunächst direkt beim Absprung aus dem Flugzeug der Fallschirm automatisch geöffnet. Mit zunehmender Sprungzahl lernt der Schüler zunächst, in der Öffnungsphase stabil zu bleiben, dann seinen Schirm selbst zu öffnen und später sukzessive die Freifallzeit zu erhöhen. Wie viel Sprünge bis zum selbstständigen Absprung aus 4.000 m Höhe erforderlich sind, hängt weitgehend von den Lernerfolgen des Schülers ab. Durchschnittlich ist von 20 bis 30 Sprüngen auszugehen.

    In den letzten Jahren erfreut sich die AFF-Methode zunehmend an Beliebtheit. Hierbei wird von vornherein aus 4.000 m Höhe, also mit 50 bis 60 Sekunden Freifallzeit, abgesprungen. Dabei wird der Schüler von zwei AFF-Lehrern begleitet, die ihn an beiden Seiten halten und so im Freifall stabilisieren. Das AFF-Programm besteht aus 7 Stufen oder sogenannten Leveln, wobei von Stufe zu Stufe der Schüler selbstständiger die Übungen ausführt. Der siebte Level ist zugleich ein kleiner Prüfungssprung. Beherrscht der Schüler hier alle Übungen, darf er danach alleine springen.

    Bei beiden Lehrmethoden ist auch nach dem ersten Alleinsprung eine weitere Betreuung durch ausgebildete Fallschimlehrer und weitere Übungssprünge erforderlich. Die Ausbildung wird erst mit der Lizenzprüfung, die aus einem praktischen und einem theoretischen Teil besteht abgeschlossen.

    Das Mindestalter für den Beginn der Ausbildung beträgt 14 Jahre, frühestens mit 16 Jahren kann die Lizenz erworben werden. Die gesamte Ausbildung, die in Vereinen des Landesverbandes NRW mit anerkanntem Ausbildungsbetrieb ausgeübt werden kann, dauert ca. ein halbes Jahr.

    Seit einigen Jahren gibt es als Einstieg in die Sportart auch die Möglichkeit, einen sogenannten Tandemsprung zu machen. Dabei wird der "Passagier" an einem speziell entwickelten Fallschirm- und Gurtsystem dem erfahrenen Fallschirmspringer vor die Brust gegurtet. Der Passagier oder Tandem-Schüler kann so bereits nach 15 bis 20 Minuten Einweisung das unbeschreibliche Gefühl des freien Falls erleben. Diese Methode ist sicherlich die einfachste Art, mit dem Sport Bekanntschaft zu machen.

    RW

    CRW

    Swooping

    Ausbildung