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Schule und Fliegen - News
Gelebte Geschichte der Schülerfluggemeinschaften
Vorweg sei mitgeteilt, dass ich vor Jahresfrist in einem Gespräch mit Herrn Rademacher meinen Wunsch geäußert hatte, meine langjährigen Erfahrungen als Fachberater für Schülerfluggemeinschaften (SFG) des Landes NRW für die Wiederbelebung des Segelfluges als Segelsport nutzbar zu machen. Ein vorgesehenes Gespräch konnte infolge einer unaufschiebbaren Operation und einer nachfolgenden Rehabilitation leider nicht stattfinden. Schon vor meiner offiziellen Ernennung zum Fachberater durch den Kultusminister 1972 hatte ich Vorstellungen zum Segelflugsport im Rahmen des Schulsports entwickelt, die auf mehreren Tagungen der Protektoren Gegenstand kritischer Überprüfung waren. Einhellig waren wir der Meinung, dass ein Gleichgewicht zwischen Schule und Verein, zwischen dem Kultusministerium und dem Landesverband bestehen müsse. Es sollte ein partnerschaftliches Verhältnis angestrebt werden.
Meine ersten Erfahrungen mit einem Vertreter des Landesverbandes waren grotesk. Ein gewisser Herr Thölke, von Beruf Berufschullehrer, entwickelte seine Vorstellungen von einer SFG, wie folgt: Die meisten Protektoren, fast alle Gymnasiallehrer, haben dem schärfstens widersprochen. Natürlich spielte die Werkstattarbeit auch bei ihnen eine wichtige Rolle. Gerade Gymnasiasten sollte sie mit der Arbeitswelt bekannt machen. Die redliche, sorgfältige Werkstattarbeit sollten als notwendiges Gegengewicht, als notwendige Ergänzung zu einem nur theoretischen Zugang zur Realität verstanden werden. Dazu gehörten auch wichtige erzieherische Momente während des Flugbetriebes: der schonende Umgang mit dem Gerät, das Säubern des Gerätes vor dem Einräumen, das Erscheinen zum Flugbetrieb nicht nur bei Thermikwetterlagen, Unterhaltungsarbeiten am Fluggelände und den Gebäuden. Herausgebildet haben sich Mechanismen, die eine gerechte Abstimmung von Lohn und Sanktion ermöglichen: Bonuspunkte für geleistete Werkstattarbeit und ihre Verrechnung mit fliegerischen Vorteile. Die Zielsetzung, insbesondere bei fortgeschrittenen SFG, war eindeutig: Streckenflug. Besonders bei Ferienlehrgängen hatte diese Festlegung organisatorische Konsequenzen. Bis zum Einsetzen der Thermik konnten die noch nicht "überlandfähigen" Piloten im Rahmen der A-, B-, C-Prüfungen geschult, die Überlandfluganwärter als Helfer eingesetzt werden. So ergab sich ein kameradschaftliches Geben und Nehmen. Die internationalen Überlandflugbedingungen (z.B. Winkelgrößen in den ausgeschriebenen Dreiecksaufgaben ) machten es in unseren Bereichen oft unmöglich, Thermikwetterlagen in geografisch begrenzten Gebieten für fortgeschrittene Piloten zu nutzen. Bei Fortbildungslehrgängen für SFG haben wir deshalb die starren Regeln außer Acht gelassen und in Anlehnung an die "Cat´s cradle Idee" Wetterlagen solcher Art für interne Wertungen dienstbar gemacht. Um die Streckenflugtheorie auf vorbildliche Weise mit der Praxis zu verbinden, haben wir während der Lehrgänge kompetente Vertreter des modernen Segelfluges zur Unterweisung der fortgeschrittenen Schüler gewonnen. Zu Beginn stand uns der Weltmeister Heinz Huth mit Rat und Tat zur Seite, später konnten wir den Weltmeister Helmut Reichmann für diese Aufgaben gewinnen. Ein junger Pilot unseres benachbarten Vereins, Mitglied des Nationalkaders, bestach durch seinen Unterricht und seine effektive "Rudelführung" bei Blau- und Wolkenthermik über den sauerländischen Bergen. Sein Name: Gerd-Uwe Staubach. Nicht vergessen wollen wir einen Doppelsitzerlehrgang, der jeweils einem erfahrenden Streckenflieger auf dem Lehrersitz die Möglichkeit bot, den vorne fliegenden Schüler mit nützlichen Denkanstößen zu unterweisen. Bewährt hat sich auch die fachliche Betreuung der Überlandflieger mit Hilfe eines zweiten Funkgeräts, das - auf einer besonderen Frequenz - eine ersprießliche Kommunikation ermöglichte, also auf großer Distanz wertvolle Vorschläge übermitteln konnte. Nachdem die Flugsaison beendet war, begann für die Schüler der Hagener SFG der wöchentliche Unterricht in einem mit allen erforderlichen Bild- und Tonträgern ausgestatteten Raum eines Hagener Gymnasiums. Selbstverständlich spielte dabei die Wetterkunde im Zusammenhang mit dem Streckenfliegen eine große Rolle. Als die Landesmittel zur Unterstützung der Jugendarbeit sich mehr und mehr in der Anschaffung von geeignetem Fluggerät hilfreich auswirkten, zeigten sich immer deutlicher Spannungen im Verhältnis zwischen SFG und dem Partnerverein, wie sie mir später in meiner Funktion als Fachberater des Kultusministers bei Revisionen von SFG begegneten: Vorstandsmitglieder der Vereine und einflussreiche "Funktionäre" versuchten das für die SFG-Mitglieder angeschaffte Gerät dem Clubvermögen einzuverleiben. Ich habe mit unterschiedlichen Maßnahmen dem entgegen gewirkt: z.B. mit dem Anbringen von Inventarschildern in den Flugzeugen. Sie sollten allen Piloten, die das Gerät benutzen, über die Eigentumsverhältnisse informieren. Natürlich musste auch dem Protektor und den Schülern bewusst sein, dass der Beitrag des Partnervereins erheblich war: er bestand in der Unterhaltung des Fluggeräts, im zur Verfügung stellen der Infrastruktur, also des Fluggeländes und der Gebäude, sowie der Fluglehrer etc. Wichtig war mir der enge Kontakt zum Sportamt und Schulamt der Stadt Hagen. Hier saßen die einsichtigen Beamten, die beinahe jährlich die Eigenleistungen der Stadt zu den Landesmitteln beitrugen und die Flugleistungen und die genauen Inventarlisten in Zusammenarbeit mit mir erstellten. Diese Unterlagen konnten jederzeit den fraglichen städtischen Gremien zur Verfügung gestellt werden. Das Fichte-Gymnasium fungierte als Trägerschule, die anderen Hagener Schulen arbeiteten eng mit der Trägerschule zusammen. Auf diese Weise kamen vielfältige Verbindungen zustande, ohne die die SFG ihre Verpflichtungen nicht hätte leisten können. Ich denke z.B. an die Anschaffung eines "Schülerbusses". Der Flugplatz war über 30km entfernt vom Zentrum der Stadt. Abfahrtzeiten und Abfahrtorte lagen für Samstagmittag und Sonntagmorgen fest. Das eigene Fahrzeug der SFG machte für jeden Interessierten eine Teilnahme am Flugbetrieb möglich. Das Fahren des Busses und seine Unterhaltung besorgten fortgeschrittene Schüler selbst. Als beauftragter ist es mir gelungen, im Zusammenhang mit der Förderung des Streckenfluges zwei wichtige Entscheidungen durchzusetzen: 1) Die SFG-Mitgliedschaft konnte für langjährige Mitglieder ausgedehnt werden bis zum ersten Staatsexamen. Grund: Die fliegerische Entwicklung bis zum Beginn des Streckenflugs hätte mit dem Erreichen des Abiturs abgebrochen werden müssen. 2) Die Anschaffung eines Schleppflugzeuges begünstigte gerade jenes Fliegen, das den fortgeschrittenen Schälern ermöglicht werden sollte: den Streckenflug. Die Anschaffung und Unterhaltung eines Schleppflugzeuges hatte zahlreiche Konsequenzen zur Folge, die erwähnenswert sind: Schleppflug ist wichtiger als jede andere Nutzung der Motormaschine. Erst wenn die viersitzige Schleppmaschine ihre dem Segelflug dienliche Aufgabe erfüllt hatte, durfte sie anderweitig eingesetzt werden. Fortgeschrittene Schüler mit der Motorfluglizenz hatten dies zu berücksichtigen. Über die Bezuschussung von Schleppflügen ist schon gesprochen worden. Alle anderen Flüge sind so zu kalkulieren, dass mit dem strikt getrennten Abrechnungssystem solche Rücklagen gebildet werden, die eine Neuanschaffung nach einer günstigen Inzahlungnahme im erträglichen Rahmen erlaubt. Besondere Finanzierungshilfen, z.B. mit Spendenlisten, haben sich als sehr nützlich erwiesen. Die beigefügten Bilder zeigen das SFG-Fluggerät zu einem Zeitpunkt, als wesentliche Segelflugzeuge noch nicht angeschafft worden waren: Kunststoff Ein- und Doppelsitzer. Die beiden SW-Fotos habe ich kurz vor dem Start während eines Wettbewerbs westfälischer SFG aufgenommen. Fluggelände: Sümmern.
Dr. Manfred Majstrak |
Teil meiner Schülerfluggemeinschaft mit ihrem (an der Schule inventarisierten) Fluggerät (Schleppflugzeug, Doppel- und Einzelsitzer), dem Schülerbus und Segelflughängern am Waldrand
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