1960: 2. Segelflug-WM auf dem Butzweiler Hof

Veröffentlicht von , 24. Juni 2020

Text, Fotos: Werner Mueller, Historisches Luftfahrtarchiv Köln

1960: 2. Segelflug-WM auf dem Butzweiler Hof

Veröffentlicht von , 24. Juni 2020

Text, Fotos: Werner Mueller, Historisches Luftfahrtarchiv Köln

Internationale Fliegerwelt war zu Gast auf dem Butzweilerhof

Mit 55 Segelflugzeugen aus 23 Nationen fand, vor sechzig Jahren, vom 4. – 18. Juni 1960 die erste Segelflug-Weltmeisterschaft nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland auf dem Butzweilerhof in Köln statt. Die Schirmherrschaft übernahm der ehemalige Kölner Oberbürgermeister Bundeskanzler Konrad Adenauer. Nur 15 Jahre nach dem Holocaust sind damals auch drei Piloten aus Israel mitgeflogen.

Die erste Segelflug-Weltmeisterschaft nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland

Dort, wo heute auf dem Butzweilerhof anonyme Bürogebäude stehen, wurde 1960 Luftfahrtgeschichte geschrieben. Nachdem zwei Jahre vorher der Deutsche Ernst Günter Haase die Segelflug-WM in Lezno/Polen gewonnen hatte, richtete nun der Deutsche Aero-Club e.V. die erste Segelflug-Weltmeisterschaft nach dem 2. Weltkrieg aus. Dabei darf man nicht vergessen, dass der Krieg, in dem die deutsche Luftwaffe fast alle europäischen Städte angegriffen hat, nur fünfzehn Jahre vorher beendet wurde.

An dieser WM, die nur fünfzehn Jahre nach dem Holocaust mit seinen unsäglichen Verbrechen stattfand, nahmen auch drei Israelische Segelflieger Teil. Andere Teilnehmer kamen aus dem europäischen Ausland, aus Russland, aus den USA, aus Argentinien, Brasilien, Rhodesien und auch aus Japan.

Poster SF-WM 1960

Die Schirmherrschaft übernahm Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, der 1926 als Kölner Oberbürgermeister den Butzweilerhof als Flughafen der Stadt Köln anlegen ließ. Warum Köln als Austragungsort gewählt wurde ist leider nicht bekannt, aber – „ein Schelm wer Arges denkt“. Studentinnen und Studenten der Universität Köln kümmerten sich als eine Assistenten um die ausländischen Teilnehmer. Die Bundeswehr unterstützte die WM mit 25 ihrer Verbindungsflugzeugen Dornier Do 27 als Schleppmaschinen.

Bundeswehr Dornier

Die Eröffnungsveranstaltung wurde mit Flaggenparade und Ansprachen begannen. Dazu spielten die sechs Jahre zuvor gegründeten Ratsbläser. Am nächsten Tag startet der erste Wettbewerb. Der erste Tag führte die Teilnehmer über eine der schönsten Strecken Deutschlands – über das Rheintal von Köln nach Koblenz und zurück. Für diese Strecke brauchten die Teilnehmer zwei Stunden. Am nächsten Tag gab es bereits wegen schlechten Wetters eine Zwangspause. Am dritten Tag wurde ein Streckenflug Köln – Kiel geplant. Am Zielort fehlte allerdings die polnische Mannschaft. Die Maschinen waren bei Elmshorn gelandet und hatten Passanten gebeten in Köln anzurufen um dort Bescheid zu geben. Dieser Bitte sind die Passanten aber nicht nachgekommen.

Flaggenparade

Auf Grund der großen Entfernung war der nächste Tag als Rückholtag nach Köln genutzt. Der 8. Juni sollte dann als „Badeflug“ durchgeführt wird. Es galt die Strecke Köln – Fehmarn zu schaffen. Zu damaliger Zeit eine sehr große Strecke. Dabei verflog sich der US-Amerikaner Richard Schreder in die nahe gelegene DDR. Nach Fürsprache der polnischen Kameraden konnte Schreder aber ungehindert und ohne Problem ausreisen.  An diesem Tag fiel besonders polnische Mannschaft auf, die immer zusammen flog und saubere Funkdisziplin hielt. Die beiden folgenden Tag 9. und 10. Juni wurden als Rückhohltag und, wegen des Regens, als Ruhetage genutzt. Auch hier fielen die Polen wieder positiv aus. Die Rückholmannschaft war vor dem Start bereits nach Norden aufgebrochen (Fahrzeit ca. 6 Stunden) und konnte drei Stunden nach der Landung bereits den Rückweg mit Auto und Anhänger nach Köln antreten.

Die Tage bis zum Ende der Segelflug-WM wurden für Dreiecksflüge genutzt. Aber leider spielte damals das Wetter nicht mit. Häufiger Regen verhinderte gute Flüge.

Verleihung der WM-Titel

Trotz widrigen Wetters gab es keine Unfälle. Die Verleihung der Weltmeistertitel fand dann in Kölns guter Stube im Gürzenich statt. Weltmeister in der offenen Klasse (Funkgeräte, Einziehfahrwerk usw. erlaubt) wurde der Argentinier Rudolpho Hossinger, Sieger in der Standard Klasse (keine Zusatzausrüstung erlaubt) wurde der Hamburger Heinz Huth mit seine Segelflugzeug „Alte Liebe“.

Die Weltmeisterschaft fand damals in der Kölner Bevölkerung sehr großes Interesse. Der Eintritt betrug 1,- DM. Dieser Preis setzte sich zusammen aus 30 Pfennig für den Eintritt, 10 Pfennig für den Sportgroschen (inkl. Steuern) und 60 Pfennig für das Programmheft. In jedem Programmheft gab es ein Los, mit dem man einen Mitflug in einem Flugzeug gewinnen konnte.
Zu den vielen auch internationalen Gästen gehörte Oberbürgermeister Theo Burauen, der sich mit dem Bezirksbürgermeister von Ehrenfeld Mathias Niessen die Wartezeit mit Skat spielen verkürzte.

Wie der damaligen Helfer Hans Auweiler erzählte, hatte eine polnische Maschine einen Schaden am Fahrwerk. Daraufhin wurde das Fahrwerk über Nacht in einer Werkstatt der Ford-Werke neu gebaut  und – ohne Prüfung durch das Luftfahrtbundesamt – wieder eingebaut. Am nächsten Morgen konnte die Maschine wieder starten. Die Kölner Segelflieger halfen aber auch dem tschechischen Piloten mit einem Rückholauto. Nach seinem Anruf auf dem Butzweilerhof und der Bitte ihn aus Vogelsang zurück zu holen fuhren, seine deutschen „Mannschaftskameraden“ sofort in die Eifel um ihn dort vom Segelflugplatz bei Vogelsang abzuholen. In Wirklichkeit rief er aber aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Ortsteils Köln-Vogelsang an….

Was blieb von der Weltmeisterschaft?

Die erfolgreiche Durchführung der Weltmeisterschaft brachte dem Segelflug in Köln einen großen Aufschwung. Bis 1979 fanden auf dem Butzweilerhof die Kölner Segelflugwochen statt. In jedem Jahr gab es dazu eine Teilnehmermedaille, die von der Prägung gleich aber immer mit anderen Farben ausgegeben wurde. Ein Jahr später wurden die Sportflieger vom Butzweilerhof vertrieben. Der erfolgreiche Segelflug in Köln war Geschichte.

Der Belgische Tower wurde im Winter 2017, trotz Antrag auf Denkmalschutz und einer skandalösen Absage, abgerissen. Noch steht die Halle der Belgischen Heeresflieger, in der das Briefing der Piloten durchgeführt wurde. Heute – im Sommer 2020 – gibt es noch einen letzten Rest der Rollbahn. Aber auch dieser Rest wird bald zu Gunsten eines Neubaus abgerissen.

Zeitzeugen gesucht

Es wäre schön, wenn sich Zeitzeugen melden würden um über diese Segelflug-WM zu berichten. Ansprechpartner: Werner Müller, Historisches Luftfahrtarchiv Köln, Werner.Mueller@Luftfahrtarchiv-koeln.de

Weitere Informationen unter

www.luftfahrtarchiv-koeln.de/segelflugweltmeisterschaft.htm