Pilotinnen mit Motor in Deutschland

Veröffentlicht von , 26. Mai 2020

Text: Ruth Haliti (VDP)

Pilotinnen mit Motor in Deutschland

Veröffentlicht von , 26. Mai 2020

Text: Ruth Haliti (VDP)

Historie

In Deutschland? Ja, auch, aber beginnen wir mit dem Powder Puff Derby. 1929 gingen erstmals nur Frauen in Motormaschinen an den Start, die USA von West nach Ost und von Ost nach West zu durchfliegen. Es soll einige männliche Saboteure auf der Strecke gegeben haben, die den Damen das männerdominierte Hobby vermiesen wollten. Und nein, es gelang ihnen nicht, denn das „Puderquastenderby“ fand bis Ende der 1970er Jahre weiter statt.

Aber, kommen wir nach Deutschland: Am 01. Juni 1930 wurden in Bonn die ersten Damen-Kunstflugmeisterschaften ausgetragen. Damals noch von der „Fachpresse“ als origineller Wettbewerb abgetan. Aber auch an den Zuverlässigkeitsflügen, den Deutschland- und Europarundflügen waren zu dieser Zeit bereits Frauen beteiligt. Und hierbei handelte es sich (sogar) um gemischte Veranstaltungen!

Die erste Frau, die den Himmel rosa färbte, war aber in diesem Jahrzehnt bereits fast 20 Jahre im Cockpit kleiner Motormaschinen. Am 13. September 1911 macht Melli Beese an ihrem 25. Geburtstag in Berlin-Johannisthal als erste Frau überhaupt in Deutschland ihren Pilotenschein, die Lizenz Nummer 115.

In den Folgejahren, auch zu Zeiten der Nazis, sind Frauen in der Luftfahrt präsent. Hier sind sicher Pionierinnen wie Elly Beinhorn oder Hanna Reitsch zu nennen, die – aus heutiger digitaler Sicht – eigentlich unmögliches in der Luftfahrt möglich machten. „Mit dem Schnapskompass zu Rekorden und um die Welt“ könnte man es kurz und treffend zusammenfassen.

Wie ging es dann weiter? Mitte der 1960er laden der fliegende Werkzeugfabrikant Günther Grassmann und seine ebenfalls fliegende Frau Sylvia zu einer Rally ein. Eine Rally für Pilotinnen sollte her und damit wurde „Die Goldene Rose von Eddesse“ geboren. Eine 26 Gramm schwere in 585er Gold gehaltene Anstecknadel in Form einer Rose; am Stiel verziert mit einem kleinen Flugzeug war der weibliche Pokal. Der für seine bösen Scherwinde bekannte Flugplatz Peine-Eddesse der Austragungsort.

1968 haben einige deutsche Pilotinnen genug davon, in den Luftsportvereinen, so sie denn überhaupt Frauen akzeptieren, die zweite oder dritte Geige zu spielen! Sie, neun deutsche Pilotinnen, darunter Elly Beinhorn, Mutz Trense, Hanna Reitsch, Brigitte Höck und Uta Kienle, gründen in der Nähe von Worms die Vereinigung Deutscher Pilotinnen! Viele Fliegerinnen folgen und bereits ein Jahr nach Gründung sind es 35, fünf Jahre später schon über 70.

Gründungspräsidentin Mutz Trense: „Es sollte kein emanzipierter Frauenverein werden, sondern ein lockerer Zusammenschluss Gleichgesinnter. Die Männer waren immer willkommen“

Ein fliegendes Netzwerk: Pilotinnen mit, aber auch ohne Motor

Heute gilt in der Vereinigung Deutscher Pilotinnen das gleiche Motto. Frau muss im Besitz einer gültigen Fluglizenz oder in Ausbildung zur selbigen sein und kann so Mitglied im Verein der Fliegenden Pilotinnen werden.  Dabei sind alle Luftfahrtsparten willkommen und Sportfliegerinnen ebenso wie professionelle Pilotinnen. Aber auch den derzeit rund 45 Herren (und Damen) ist eine Mitgliedschaft im fliegenden Netzwerk als Fördermitglied möglich. Die Pilotinnen der VDP stehen auch mit den vielen europäischen Pilotinnen in engem Austausch. Jedes Jahr findet in einem anderen europäischen Land mit interessanter fliegerischer Destination ein Jahrestreffen der FEWP (Federation of European Women Pilots, www.FEWP.info) auf dem Programm.

Erfahrungsaustausch und gemeinsame Unternehmungen in Deutschland und Europa, am grenzenlosen Himmel, machen einfach glücklich!

Zielsetzung der VDP war und ist es:
Frauen in der Luftfahrt zusammenzubringen, sie in ihrem Selbstverständnis als Pilotinnen zu unterstützen, als Plattform für ein fliegendes Netzwerk zu fungieren sowie sichere, adäquate Weiterbildungsmöglichkeiten zu schaffen.

Text: Ruth Haliti (VDP)