Jahrestagung 2020 der UL-Cheffluglehrer

Veröffentlicht von , 09. Februar 2021

Texte: Harald Rattay, Volker Engelmann

Jahrestagung 2020 der UL-Cheffluglehrer

Veröffentlicht von , 09. Februar 2021

Texte: Harald Rattay, Volker Engelmann

Am 22. November 2020 kamen die Cheffluglehrer Ultraleicht des Landesverbandes NRW zu ihrer jährlichen Tagung zusammen, diesmal den Umständen entsprechend als ganztägige Online-Veranstaltung. Eingeladen werden grundsätzlich die Vertreter der DAeC-angehörigen Vereinsflugschulen, die sich der UL-Flugschule Reg.-Nr. 2095 des Landesverbandes als Dachorganisation angeschlossen haben.

Dieser jährliche Erfahrungsaustausch ist von besonderer Bedeutung, dient er doch der aktuellen Information, der Fort- und Weiterbildung der Fluglehrer und damit der Qualitätssicherung in der UL-Ausbildung. Eine ganz besondere spielt das Instrument der Standardisierung. Nicht die Gleichmacherei oder gar das Führen am Gängelband, sondern die Festlegung und gemeinsame Durchsetzung von Qualitätskriterien ist dabei maßgebend. Letztlich steht als oberstes Ziel die Erhöhung der Flugsicherheit.

Der Ausbildungsleiter NRW, Hermann-J. Hante, und der Vorsitzende der Sportfachgruppe Motorflug, Volker Engelmann, hatten ein umfangreiches Programm vorbereitet. Auf der Grundlage ausgewerteter BFU-Berichte wurden einige Aspekte der Sicherheitsstrategie vermittelt. Für die Praxisschulungen wurden in diesem Zusammenhang wichtige Themenfelder bzgl. erkannter Fehler im Rahmen von Stall-Übungen sowie bei Landungen erörtert. Neben den Berichten sind darüber hinaus die Erkenntnisse aus Prüfungen wichtige Indikatoren. Die Prüfer stellen vor allen Dingen immer wieder fest, dass grundlegende Verfahren, z. B. das Verhalten in der Platzrunde, offensichtlich recht unterschiedlich ausgebildet werden. Diesbezüglich konnten den anwesenden Fluglehrern nützliche Tipps für die Schulung mitgegeben werden.

Da die Ausbildung in 2020 durch Covid-19 erheblich beeinflusst wurde, durfte der diesbezügliche Erfahrungsaustausch nicht fehlen. Abgesehen davon, dass für einige Wochen im Frühjahr 2020 die praktische Flugausbildung nicht durchgeführt werden konnte, musste natürlich die Theorie-Ausbildung weiterhin sichergestellt werden. Es ist beeindruckend, wie schnell sich Schulen und einzelne Fluglehrer mit der Online-Schulung vertraut gemacht haben und gute Ergebnisse erzielen konnten. Da das Ende der Pandemie nicht absehbar ist, wird man sich auch in naher Zukunft weiterhin auf den Fernunterricht stützen müssen. Bisherige Gegner dieser Ausbildungsvariante erfahren, dass die Ausbildung gut funktioniert und der Aufwand insgesamt geringer wird. Auch ohne Pandemie hätte man schon zuvor viel stärker auf das Instrument der Online-Schulung zurückgreifen können. Mittlerweile sind u. a. Behörden, Unternehmen und Vereine im Lernprozess und realisieren, dass mit überschaubarem technischem Aufwand Online-Veranstaltungen möglich sind.

Auch diese Jahrestagung der Cheffluglehrer erforderte in der Vergangenheit einen wesentlich höheren Ressourcenaufwand. Ein ausreichend großer Besprechungsraum mit entsprechender Vortragstechnik bis hin zur Pausenorganisation und der damit verbundenen Versorgung für das leibliche Wohl mussten vorbereitet werden. Die An- und Abreise erforderte für jeden einzelnen Teilnehmer bisweilen einige Stunden, ganz zu schweigen von Eventualitäten wie einem Stau oder gar einem Unfall. Die Tagungsteilnehmer zeigten sich positiv überrascht, dass selbst Ganztagesveranstaltungen so diszipliniert und inhaltlich erfolgreich sein können, und das Ganze auch noch ohne störende Nebengeräusche wie z.B. dem Klingeln der Mobiltelefone, Husten und Räuspern sowie Nebengespräche mit dem Tischnachbarn.

Der Fernunterricht, die Online-Besprechung, das Homeschooling haben große Zukunft. Diese Thematik wird im Rahmen unserer fliegerischen Ausbildung mit hoher Priorität auf der Agenda bleiben müssen. Technik, Verfahren, Organisation und Standards in Methodik und Didaktik bis hin zur Zertifizierung werden noch mehr in den Fokus zu rücken sein.

Die Tagungsteilnehmer waren sich aber bzgl. der positiven Entwicklung einig: Es ist den Aufwand wert. Nach einem fordernden Weiterbildungstag ist es nun an den Cheffluglehrern, in ihrer Funktion als Multiplikatoren zu Hause in den Vereinen die Erkenntnisse und Informationen in geeigneter Weise an die Fluglehrer weiter zu vermitteln.

Die Teilnehmer sagen Danke für eine mal wieder gelungenen Veranstaltung.

Text: Harald Rattay, Fluglehrer und Ausbilder für Fluglehrer im AEROCLUB | NRW e. V.

Informationen zur UL-Ausbildung im Landesverband NRW

Die UL-Ausbildung im Landesverband erfolgt auf Grundlage der Zulassung des Luftsportgerätebüros (LSGB) beim DAeC in Braunschweig. Das LSGB ist als Beauftragter des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) behördliche Aufsicht. Die Schule hat die Nr. 2095. Inhaber der Genehmigung ist für den Landesverband Hermann-Josef Hante, gleichzeitig Leiter der Approved Training Organisation (ATO mit der Nummer DE.ATO.NWDU.150), der somit der Ausbildungsleiter UL ist. Die Vereine bilden folglich in seinem Namen aus und zeichnen als Verein, gegenüber dem Landesverband, durch den Chef-Fluglehrer UL verantwortlich.

Als Schule 2095 wird die Ausbildung auf Grundlage des Ausbildungshandbuches des LSGB für Flugschüler („Fußgänger“), Umschüler (SPL, PPL, LAPL, HPL) und Fluglehrer durchgeführt.

Die Vereine sparen sich hierdurch einen Großteil an administrativer Arbeit und an Kosten.

Die Vorgaben für die Ausbildung werden einmal jährlich in der Chef-Fluglehrertagung standardisiert und ausgegeben oder bei Bedarf auch zwischendurch angepasst und abgeglichen.

Jeder Fluglehrer, jeder Fluglehrerassistent und jedes Ausbildungsgerät muss vor Aufnahme der Ausbildung gemeldet und genehmigt sein.

Das Ausbildungsniveau wird, aufgrund der engen Verzahnung mit dem Bereich Motorflug, diesem, wo immer möglich, angeglichen. Wir fliegen gemeinsam im gleichen Luftraum mit ähnlichen oder teils fast gleichen Fluggeräten. Diesem trägt die UL-Schule 2095 durch hohe Standards Rechnung. Die Fluglehrerassistenten werden z. B. in Teilen gemeinsam mit den Class Rating Instructors (CRI) für Motorflug ausgebildet. Die Fluglehrerausbildung im Landesverband ist seit Jahren etabliert sowie standardisiert und genügt höchsten Ansprüchen.

Fluglehrerassistenten bilden dann zunächst unter Aufsicht und in Verantwortung des Chef-Fluglehrers in den Vereinen aus.

Durch unsere Vereinsstrukturen gelten auch die Hinweise, Empfehlungen und Vorgaben unseres Sicherheitsbeauftragten der ATO für die UL-Ausbildung gleichermaßen, wenn zutreffend. Hierdurch haben wir im Landesverband eine besondere Sicherheitskultur auch im Bereich UL.

Unmittelbar nach der Pandemie wollen wir die Standardisierungen und die Qualität in der Ausbildung dadurch weiter verbessern, dass wir praktische Sicherheits- und Standardisierungstrainings für die Chef-Fluglehrer bzw. Für von denen beauftragte Fluglehrer durchführen – nach dem Prinzip „Train the Trainers“.

Insbesondere sollen hierdurch auch möglicherweise aufgetretene Unsicherheiten im Nachgang zur Pandemie ausgeglichen werden und ein hoher Trainingsstand gerade für Fluglehrer erhalten bzw. wiedererlangt werden.

Text: Volker Engelmann, Sicherheitsbeauftragter ATO NRW